Die Subprime-Krise – kann es auch den deutschen Immobilienmarkt treffen

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Subprime-Krise (sub-prime crisis): Im Sommer 2007 kam es in den USA zu steigenden Kreditausfallraten auf dem Markt für zweitklassige Hypothekarkredite, den sog. Subprime-Krediten. Weil diese Darlehn verbrieft waren und sich im Portfolio fast aller Institute weltweit befanden, so kam es angesichts des plötzlichen Wertzerfalls dieser Papiere zu einer starken Inanspruchnahme von Kreditlinien (Ziehung von Fazilitäten) seitens der Zweckgesellschaften und anderer Institute mit unerwartetem Abschreibungsbedarf (Unterseeboot-Effekt).

Das überstieg das Liquiditätsmanagement der meisten Banken; einige Institute kamen ins Trudeln. Gleichzeitig sank angesichts dieser Lage die Bereitschaft, Geld ohne Besicherung für eine Woche oder länger zu verleihen; der Interbanken-Geldmarkt trocknete fast völlig aus. Infolgedessen kam es zu erheblichen Abweichungen zwischen besicherter und unbesicherter Kreditaufnahme; die Spreizung zwischen beiden Arten bei dreimonatiger Laufzeit stieg in der Spitze auf 70 Basispunkte. Die Zentralbanken mussten zur Beruhigung des Finanzmarktes eingreifen (bei der EZB über Feinsteuerungs-Operationen und längerfristige Refinanzierungsgeschäfte; letztere, um auch Verspannungen auf den Märkten für längere Laufzeiten zu begegnen) und reichlich Liquidität bereitstellen.

Das half allerdings zunächst kaum, das Vertrauen in die Finanzmärkte wieder herzustellen. Innert eines Jahres weitete sich die Subprime-Krise zu einer weltweiten Finanzkrise aus. Mehrere angesehene Institute in den USA und Europa mussten vom Staat gestützt werden oder wurden gar, um einen Zusammenbruch des Finanzsystems zu vermeiden, ganz in staatliche Hand überführt. Erst das Eingreifen der Regierungen im Oktober 2008 konnte das verloren gegangene Vertrauen nach und nach wieder zurückgewinnen. Siehe Aktivitäts-Verlagerung, bilanzbestimmte, Anreizsystem, Asset Backed Securities, Ausfall-Verlust, Ausserbilanzgeschäft, Back-to-Originator-Postulat, Banken-Triage, Bradford-Verstaatlichung, Conduit-Gesellschaft, Darlehnhaftung, beschränkte, Darlehn, nicht standardisiertes, Darlehn-gegen-Papiere-Geschäft, Entkopplungs-These, Erstraten-Verzugsklausel, Erstverlust-Tranche, Finanz-Alchemie, Finanzkrise, Fortis-Rettung, Friedhof-Markt, Garantiefonds, Hypo Real Estate-Rettung, Immobilien-Zusatzbeleihung, IndyMac-Pleite, Informationsverteilung, asymmetrische, Kreditderivate, Kreditereignis, Kreditersatzgeschäft, Kreditrisiko, Krise der Sicherheiten, Liquiditätspool, Luftpapiere, Mortgage Equity Withdrawal, Ninja-Loans, Northern Rock-Debakel, Notfall-Liquiditätshilfe, Originate-to-distribute-Strategie, Panik-Verkäufe, Rendite-Risiko-Grundsatz, Quantitative Easing, Risikowahrnehmung, Rückschlag-Effekt, Staatsfonds, Stimmrecht-Kriterium, Structured Investment Vehicle, Subprime-Wohnraumfinanzierung, Unkosten, Unterseeboot-Effekt, Verbriefung, traditionelle, Verbriefungsstruktur, Vertrauen, Zitronenhandel, Zweckgesellschaft, Zwei-Achtundzwanzig-Kredit.

Vgl. Monatsbericht der EZB vom September 2007, S. 33 ff. (krisenabwehrende Offenmarktgeschäfte der EZB), Monatsbericht der EZB vom November 2007, S. 18 ff. (Auswirkungen der Subprime-Krise; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Dezember 2007, S. 32 ff. (Liquiditätssteuerung durch die Mindestreservepolitik während der Subprime-Krise), S. 45 ff. (Umfrage zum Kreditgeschäft in Zusammenhang der Subprime-Krise; Übersichten), Monatsbericht der EZB vom Januar 2008, S. 16 ff. (Liquiditätshilfen der EZB), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Februar 2008, S. 32 (Auswirkungen der Subprime-Krise auf die Kreditvergabe deutscher Banken; Übersicht), Jahresbericht 2007 der EZB, S. 106 ff. (Liquiditäts-Bereitstellung während der Subprime-Krise), Monatsbericht der EZB vom Mai 2008, S. 99 ff. (Überblick der Massnahmen der EZB während der Subprime-Krise; Übersichten), Monatsbericht der Deutschen Bundesbank vom Mai 2008, S. 26 (Handhabung der Mindestreservepolitik durch die EZB zur Normalisierung des durch die Subprime-Krise verworfenen Geldmarktes), S. 34 f. (keine Bremswirkungen der Ausleihungen an Unternehmen durch die Subprime-Krise), Jahresbericht 2007 der BaFin, S. 22 ff. (chronologische Übersicht der Ereignisse), S. 123 ff. (einzelne Institute unterschiedlich betroffen), Monatsbericht der EZB vom August 2008, S. 73 ff. (Auswirkungen der Subprime-Krise auf die grenzüberschreitenden Finanzströme im Euroraum; Übersichten; S. 75: Direktinvestitionen kaum betroffen), Monatsbericht der EZB vom August 2009, S. 37 ff. (Auswirkungen des ersten längerfristigen Refinanzierungsgeschäftes mit einjähriger Laufzeit), Monatsbericht der EZB vom September 2010, S. 12 ff. (Immobilienmarkt in den USA seit 2002; Übersichten; skeptische Gesamtbeurteilung). Quellenangabe: Universitätsprofessor Dr. Gerhard Merk, Siegen.

Quellennachweis Foto: Pam Roth

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